Der Leherheider Verein »Sonnenblume« bietet Kindern seit mehr als 15 Jahren Aufmerksamkeit, Lern- und Lebenshilfen sowie ein warmes Essen. Zuletzt sind die Kosten so gestiegen, dass das Projekt ums Überleben kämpft. Die Situation ist ernst.
In den Räumen des Vereins Sonnenblume in Leherheide herrscht am Donnerstagmittag reger Betrieb. Um die 40 Kinder wuseln umher, singen und basteln, in der Küche steht Linsensuppe auf dem Herd. Leiterin Cornelia Rönnefahrt bewahrt den Überblick. Sie ist seit mehr als 15 Jahren für die Kinder da. Doch aktuell bereitet ihr die Situation große Sorgen: »Finanziell war es noch nie so schlimm wie jetzt.«
Das Projekt finanziert sich aus privaten Spenden und aus dem Verkauf von Secondhand-Bekleidung in der benachbarten Kleiderkammer. Die Lücke zwischen Ausgaben und Einnahmen wurde allerdings zuletzt immer größer. Derzeit ist unklar, wie lange das Projekt Sonnenblume noch geöffnet sein kann.
Die Preise für Lebensmittel seien in den vergangenen Jahren mindestens um ein Drittel gestiegen, Busfahrten, Eintrittsgelder, Personalkosten, alles werde teurer, so Cornelia Rönnefahrt. Die Mitarbeiterinnen Susanne Wolf-Gernand und Mano Kundy bestätigen das.
Hinzu kommt, wie Cornelia und Wolfgang Rönnefahrt berichten, dass vor den Sommerferien die Stadt das Freizeitheim Leherheide wegen Personalmangels geschlossen hatte. Die dort betreuten Kinder und Jugendlichen mussten von der privaten »Sonnenblume« aufgefangen werden. »Statt 30 bis 35 Kinder haben wir jetzt 40 bis 45 Kinder täglich im Projekt«, erklärt Cornelia Rönnefahrt. Die Kalkulation ist jetzt eine ganz andere. Man habe 20 bis 25 Kinder in der Hausaufgabenhilfe, koche Mittagessen für 40 Kinder und es stünden noch 30 Kinder auf der Warteliste. Nach 17 Jahren Sonnenblume habe man erstmals um Lebensmittelspenden werben müssen.
Zur Sonnenblume gehören vier Teilzeitarbeitskräfte, eine Reihe Ehrenamtlicher sowie Schüler, die dort mitarbeiten. »Da wir in diesem Jahr weniger Spenden erhalten haben, jedoch viel mehr Ausgaben hatten als in den Vorjahren, sind unsere Rücklagen aufgebraucht.«
Cornelia und Wolfgang Rönnefahrt versuchen bislang, das gesamte Programm, das die Kinder so schätzen, sowie das Mittagessen aufrechtzuerhalten.
Die Zahnfee war zu Besuch, sie haben einen Schützenverein und die Phänomenta besucht und wollen gemeinsam ins Bad 1. Schon jetzt laufen die Vorbereitungen für die Halloween-Party und die Weihnachtsfeier. Jüngst gelang es sogar mit einer Gruppe, zwei Preise bei einem Gesangswettbewerb in Varel zu gewinnen. Die Kinder blicken mit Stolz auf die Pokale, die jetzt in den Räumen auf einem Regal stehen.
Die Rönnefahrts hoffen, dass sie durch mehr Spendengelder jetzt in der Weihnachtszeit noch die Kurve bekommen und die Sonnenblume wieder auskömmlich finanzieren können. Wer als Firma oder Privatperson das möglich machen möchte, kann sich unter anderem unter 0471/95849018 und cornelia.roennefahrt@nord-com.net melden, persönlich kommen oder auf der Internetseite die Bankdaten erfahren.
Der Hilferuf der Sonnenblume hat auch die Landespolitik erreicht. Die Bürgerschaftsabgeordneten Holger Welt und Sülmez Colak (beide SPD) haben den Ernst der Lage erkannt. »Wir können auf dieses Kinderprojekt in Leherheide nicht verzichten, wir dürfen es keinen Fall verlieren«, betont Welt. »Derzeit machen wir uns aber große Sorgen um den Fortbestand dieses Leuchtturmprojektes«, ergänzt Colak.
Fotos: Ralf Masorat
Zum Artikel der Nordsee-Zeitung als PDF: Sonnenblume_NZ_181025